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Alles nur ein Spiel

Brettspiel, Mensch ärgere dich nicht, Würfelspiel, nur keine Aufregung
Brettspiel: Mensch ärgere dich nicht, Foto v. Maria-Anne auf Pixabay

Liebes Leben! Ich habe dich durchschaut!

Du schickst mir täglich neue Übungsaufgaben, damit ich kapiere,

worum es hier geht.

Alle Menschen, die mir begegnen, eignen sich auf die eine oder andere Weise ganz prima als Lehrmeister, um mir bewusst zu machen, ob ich gerade in der alten Trennungsillusion stecke oder in der Einheit bin.

Ja liebes Leben weck mich auf! 

Danke von Herzen für die geniale Orchestrierung aller Mitspieler, die sich hier gegenseitig dienen im großen "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel. 

 

Heute bekam ich wieder einen Bewusstseins-Test.

Diesmal per Post geschickt. Ich hatte jemandem aus meiner Verwandtschaft eine von mir geschriebene Geschichte zum Lesen geschenkt. Nun erhielt ich die Antwort darauf. Völlig geschockt lief ich mit dem Brief in der Hand durch den Wald und konnte es nicht fassen, wie jemand so gefühllos, arrogant, verurteilend und kritisierend mit meinem Herzensgeschenk umgehen konnte. Meine spontane Reaktion aus Selbstschutzgründen war der Beschluss, jeden weiteren Kontakt mit diesem Menschen einzustellen. Nein, mir war wirklich nicht zum Lachen. 

In Gedanken verteidigte und erklärte ich mich. Ich hatte das Gefühl überhaupt nicht gesehen und respektiert zu werden als Frau und Mensch. Die Aussage und der Inhalt meiner Geschichte blieben dem Leser völlig unklar. Ich musste daran denken, wie schrecklich sich Schüler fühlen mussten, wenn sie von einem Lehrer schlecht bewertet und zensiert wurden, weil dieser sein Herz verschlossen hatte und blind war für die Fähigkeiten und Gaben des Schülers. Wie viel Schaden konnten solche Lehrer in ihrer Rolle als Autoritätsperson mit allerhand Machtbefugnissen anrichten. Puh! Zum Glück stand ich in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu diesem Menschen. Ich legte mich in die hohe Wiese am Waldrand und blickte hinauf in das hellgrüne Blättermeer einer riesigen Eiche. Entspannung. Freude über den Frühling, mit wärmender Sonne, duftendem Wind und frischen, zarten Blättchen um mich herum. Ich erinnerte mich an die Geschichte, welche mir meine Wahl-Lehrerin erzählt hatte. 

 

"Da war dieser Schüler, der auf seinem Berg saß und meditierte. Eines Tages erlangte er in den Zustand der Erleuchtung.

Voller Glückseligkeit lief er hinunter ins Dorf, um den Menschen dort von seiner Erfahrung zu berichten. Doch niemand von den Dorfbewohnern ließ sich in die Ekstase der Allverbundenheit einladen. Stattdessen klagten sie ihn der Gotteslästerung an und schlugen ihm zur Strafe einen Arm ab. Doch der Erwachte jubilierte weiter, sang und preiste das Leben. Lachend rief er: "oh Allmächtiger, jetzt kommst du in der Verkleidung meines Henkers! Aber ich habe dich erkannt. Du kannst mich nicht mehr täuschen." Erbost hackten ihm die aufgebrachten Menschen den zweiten Arm ab. Doch der Erleuchtete blieb in seiner Ekstase.

Er dankte seinen Mördern, küsste sie und fiel in voller Liebe vor ihnen auf die Knie. 

Niemand und nichts konnte ihn zurückziehen in die Illusion der Trennung. Er war vollständig erwacht und hatte erkannt, dass in Allem das selbe eine Bewusstsein lebte, dass sich durch die verschiedenen Formen und Erscheinungen erfuhr." 

 

Ich beschloss meinen Fokus zu verändern und Gott, das Leben, das all-eine Bewusstsein in meinem Verwandten zu erkennen. 

Woran wollte mich das Leben mit diesem Brief erinnern?

Als erstes ging es darum, alle die Dinge in mir anzunehmen, gegen die ich spontan in den Widerstand gegangen war: Respektlosigkeit; ein Gefühl von Überlegenheit; die Anmaßung zu glauben, jemanden ohne Auftrag kritisieren, belehren und beurteilen zu dürfen; ein verschlossenes Herz; Urteile zu fällen und schlaue Ratschläge zu verteilen, ohne den Verurteilten, sein Leben und seine Beweggründe zu kennen. 

Wie nehme ich ein Verhalten in mir an, das ich scheiße finde?

Ich forschte in mir, ob ich mich an Situationen erinnere, wo ich mich respektlos, überlegen, anmaßend, kaltherzig, beurteilend etc. verhalten habe. Da fielen mir ziemlich schnell einige Beispiele ein.

Im Spiel "Mensch ärgere dich nicht" fand ich es als Kind auch sehr lustig und ganz selbstverständlich, dass ich andere herauswarf und am Vorwärtskommen hinderte. Schließlich durfte ich das ja. Ich hatte durch meine Würfelzahl die Erlaubnis, das Recht, ja sogar die Pflicht meine Mitspieler zu überholen, zu behindern und zurückzuwerfen. Im Gegensatz dazu ärgerte ich mich furchtbar, wenn jemand mich rauswarf und ich von vorn anfangen musste. Das fand ich so gemein! Ich konnte richtig wütend werden und weinen, besonders dann, wenn die Mitspieler über meine Gefühle lachten, weil ich das Spiel so ernst nahm und unbedingt gewinnen wollte. Dabei war es doch ein Glücksspiel und wir nur die Marionetten unserer Spielregeln und gewürfelten Zahlen.

 

Komisch oder, was man sich so alles erlaubt, wenn man sich im Recht dazu fühlt.

Gut, ich gestehe mir also ein, dass ich auch ein Miststück sein kann, weil es nun mal zum Spiel dazugehört.

Damit komme ich raus aus der Wertung. Das Leben bringt sich ohne Wertung frei zum Ausdruck.

Das Leben bringt sich durch uns zum Ausdruck und je nachdem, wie bewusst und verbunden wir mit der Quelle sind, so handeln wir. Langsam öffnet sich wieder mein Herz. Ich erkenne, dass ich den Brief nicht persönlich nehmen muss. Der andere handelt aus seiner Wahrnehmung, seinen inneren Spielregeln heraus. Lustig, dass ich schon wieder auf das Trennungsspiel hereingefallen bin. Gott, das Leben wollte mich prüfen, es wollte sich selbst (durch mich) prüfen, in wie weit es noch mit seinem Spiel identifiziert ist. So ziehe ich Situationen in mein Leben, in denen ich immer wieder mich erinnern darf, dass dieses sehr real wirkende Trennungsspiel so real ist wie das "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel meiner Kindheit.

Da ist nur DAS. Lachen. Erkennen, dass es ganz egal ist auf welcher Seite jemand spielt. Da ist nur das Eine.

So schön zu sehen, wie Linke und Rechte, Polizisten, Großeltern und Kinder sich alle miteinander an den Händen halten und friedlich auf den Straßen stehen. Wir sind dankbar den Verbrechern aus Politik, Wirtschaft und Medizin. Durch ihre Machtspiele, ihre Versuche den Menschen Angst einzujagen und sie gegeneinander aufzuhetzen, konnten wir das Spiel durchschauen und daraus erwachen. Sie helfen uns erkennen, wo wir noch an die Illusion glauben, irgendjemand da Draußen hätte Macht über uns.

Es gibt kein da Draußen. Es gibt kein Du und Ich. Es gibt nur DAS, Hier und jetzt. 

 

Befreit und glücklich hüpfe ich durch den Wald nach Hause. So macht das Spiel Spaß.

Ich nehme mir vor beim nächsten Mal, wenn ich wieder etwas seeehr ernst nehme

und mich ärgere, mir in den Arm zu zwicken und zu sagen:

"Tine, erinnere dich, das ist nur ein Spiel!"

 

 

 

 

eine Übung für dich findest du hier:

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