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Auf der Reise

Tramperin am Straßenrand hält ihren Arm raus
photo by pixabay

Ich bin das, ich bin. Stehe am Straßenrand. Wusch, wusch, wusch... Autos rauschen vorbei. Wo will ich hin? Zu meinem Mann. Wo ist der?

In meinem Herzen. Menschen die anhalten und mich mitnehmen, wundern sich über meine Erklärung, dass ich nicht weiß, wo im Außen ich meinen Mann finden werde und es daher egal ist, wo ich hinfahre.

Aber eigentlich ist es auch wieder nicht egal. Wer soll das verstehen?

„Sie müssen uns schon sagen, wo Sie aussteigen wollen“, heisst es dann. „Mir egal. Nein auch wieder nicht. Weil, ich brauche ja einen schönen Schlafplatz für heute Nacht und mein Körper hat da so seine Vorlieben.“ „Und sie kennen ihren Mann noch gar nicht?“ 

„Nein. Ähmm, doch. Also, wir kennen uns schon seit Jahrtausenden,

nur eben in dieser Spielrunde haben wir uns noch nicht getroffen.

Aber wir wissen, dass wir verabredet sind und ich bin mir auch sicher, dass wir uns sofort wiedererkennen würden.“ 

Ich kann nur meinem Herzen folgen. Moment für Moment. Bin ich mit mir verbunden, spüren wir uns und kommunizieren wir miteinander. Nur klare Worte übermitteln, z.B. als Information, wo ich mich gerade befinde, das klappt noch nicht.

Meine geistige Führung sagt, „das habt ihr euch so ausgesucht. Ihr wollt euch auf diesem Weg finden. Wir helfen nur, wenn es unbedingt sein muss.“ Denn verabredet ist verabredet. Wir können also nichts falsch machen. Das heisst, treffen werden wir uns so oder so. Es ist eine Art Lernspiel. Wie viel Trennungsbewusstsein hält uns noch in der Illusion, dass wir voneinander getrennt sind? Wir wissen es doch längst, fühlen es: wir sind ein Herz. Zwei leuchtende Herzenslichter sind zu einem verschmolzen.

Es steht nichts mehr trennend zwischen uns. Keine Ex-Partner, keine Eltern, keine Kinder, keine Karrieren.

Wir sind bereit. Wir sind auf dem Weg. Auf dem Weg, der keiner ist. Das alles klingt so paradox. Ist es auch. Und wieder nicht.

Nur in dieser 3D Simulation, sieht es so aus, als gäbe es räumliche und zeitliche Trennung. Doch alles ist eins. Unsere höheren Selbste reichen sich die Hände, umarmen sich und verschmelzen zu einer Spirale aus buntem Licht, die ins Universum aufsteigt.

Gott, hier und jetzt. Bewusstsein beobachtet sich. Tines Ich fällt immer wieder auf das lustige Spiel herein und glaubt sich getrennt von irgendwas. Tines Verstand, dieses Ich-selbst-Konstrukt glaubt organisieren, planen, wissen zu müssen, um das, was es nicht begreifen kann, doch irgendwie kontrollieren zu können, damit es sich sicher und geborgen fühlt auf der Reise durch die Lande. Braucht es das? Nein! Ja! Man eh, was denn nun?

Beides. Es macht einen Unterschied, ob Tine sich in ihrem panischen Bioüberlebenstrieb, um einen sicheren Schlafplatz, beobachten kann, oder ob sie sich mit der Panik identifiziert und es sich plötzlich ganz real danach anfühlt, als sei sie in Lebensgefahr. Im ersten Fall kann Tine entspannt die dreckige Herberge putzen oder das Zelt so aufstellen, dass sie gut schlafen kann. Im zweiten Fall sieht sie die krasse Immunreaktion des Körpers ( braune Zunge, rote Augen, geblähter Bauch, Durchfall, Müdigkeit, Erschöpfung) und reagiert panisch auf die Situation. Warum?

Weil es eben diese Identifikation mit dem Körper gibt, der sie glauben lässt sie könnte sterben.

Sie fragt sich: "Wer oder was bin ich?" Sie erinnert sich: "Reines Bewusstsein. Ich habe einen Körper, ich bin nicht dieser Körper. Ich brauche ihm nicht glauben, dass ich sterben kann. Im schlimmsten Fall verliere ich mein schönes Fahrzeug.

Hey, mein liebes Tempelchen, komm mal her.“ Tine nimmt ihren Körper in die Arme.

„Ich passe gut auf dich auf. Ich brauche dich noch. Ich bin doch mit meinem Liebsten verabredet. Der hat auch einen Körper und läuft hier irgendwo herum in diesem Labyrinth. Daher werde ich dich auf keinen Fall zu Grunde gehen lassen. Also beruhig dich wieder. Ein bisschen Dreck, Kälte, Regen, eine schlechte Mahlzeit oder durchgelegene Matratze und ein paar durchwachte Nächte, bringen dich noch nicht um.“

Puh wie schnell man in Stress geraten kann, wenn die eigenen Komfortzonen gedehnt werden. 

Dabei ist das Universum so unbeschreiblich hilfreich mit mir. Es koordiniert und orchestriert das Ganze so harmonisch und magisch, dass ich immer wieder staunend und dankbar vor dem Wunder stehe und mich frage:

„wie war das jetzt möglich?“.

Zum Beispiel als ich nach einem sommerlich heißen Tag mit verschiedenen Autofahrern, die mich als Tramperin mitnahmen und langer Wanderung mit schwerem Koffer, Rucksack und Essensbeutel endlich an einem See stehe, wo ich ein perfektes, geschütztes Plätzchen für mein Zelt finde, mit wunderschöner Badestelle ganz alleine für mich. 

 

 

 

Aber vielleicht ist das Reisen ins Blaue, ohne ein bestimmtes, örtliches Ziel auf der Landkarte, auch völliger Quatsch.

Ich meine, wenn es keine Trennung zwischen meinem Liebsten und mir gibt, dann muss ich auch nicht irgendwo hin, um ihn zu finden, oder?

Ich merke immer wieder wie leicht das Trampen ist, wenn ich ein konkretes Ziel habe. Dann finden sich auf unerklärliche Weise, ohne lange Wartezeiten, genau die Fahrer, die mich freundlich, hilfsbereit und schnell ans Ziel bringen. 

 

 


 

Doch mein Ziel liegt in meinem Inneren, in meinem Herzen. Wie soll mich dort ein Bus, Zug oder Auto hinbringen? 

Es gibt keinen Weg nirgends. Alles ist eins, alles hier und jetzt. 

Reise ich deshalb, um das zu kapieren? 

Jeden Schritt genießen, feiern, vollkommen wach erleben, denn keiner ist richtiger als ein anderer. 

Es ist alles nur ein Spiel. Ein Spiel des Erwachens.

Wir werden uns finden, weil wir uns schon gefunden haben. 

Weil ich immer schon wusste, dass es ihn gibt und wir verabredet sind. 

Also kann ich meine Reise auch planen, ganz einfach so, wie andere Menschen das auch tun, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Ich suche mir im Voraus einen schönen Ort, wo ich gerne hin möchte und organisiere mir dann die Auto-, Bus- oder Bahnverbindung sowie die Übernachtungsmöglichkeit. Das ist zwar weniger abenteuerlich aber dafür auch sicherer. 

Ich kann mich entspannen und darauf vertrauen, dass ich dort ankomme, wo mein Zielort ist. 

Doch wenn ich aus Angst vor den Unwägbarkeiten des Universums auf diese Weise reise, 

dann bin ich wohl ziemlich stark mit meinem sich getrennt fühlenden Ego identifiziert.

Vielleicht kann ich einen Mittelweg finden. Wie sieht der aus?

Ich reise ins Blaue, folge meinem Herzen und organisiere, wenn mir danach ist, die 3D Materie.

 

Einwand von Oben/Innen: "Na das ist doch nichts Neues,

das hast du doch schon immer so gemacht Tine.

Willst du noch mehr von dem Altbekannten, dem ewig Gleichen?

Ist das nicht langweilig? 

Erreichst du auf diesem Spiellevel wirklich deinen Liebsten?" 

 

Gibt es denn noch eine andere Möglichkeit zu reisen

als mit und ohne Ziel? 

"Ja." 

Und die wäre? 

"Nicht reisen." 

Ähhh? 

"Reisen bedeutet von Punkt A nach Punkt B unterwegs zu sein, auf welche Weise auch immer. Das ist schon Trennungsbewusstsein.

Reise, ohne zu reisen. Atme, ohne zu atmen."

Wie bitte? 

"Sei. Hier und jetzt. 

Wer will definieren und einordnen was reisen ist, atmen ist, leben ist?

Vielleicht ein kleines, begrenztes Etwas, das nicht über sich hinausschauen kann, weil es sich sonst auflöst?

Du sagst, es gibt keinen Weg nirgends und willst doch irgendwohin. Dieser Ort ist Illusion.

Da ist niemand der irgendwohin gelangen könnte. Wer sucht hier? Du bist Illusion."

Na toll. Also alles umsonst? 

"Vergeblich müht sich der Mensch in seinen Handlungen, bis er erwacht.

Lache, spiele, genieße, sei. 

Es gibt nichts zu erreichen. Nichts das gewonnen werden könnte. Was ist, ist."

 

 

 


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Kommentare: 2
  • #1

    The Hermit (Mittwoch, 30 September 2020 11:49)

    Ach wie schön, dass alle Herzen ähnliche Reisen der Heilung machen. Weiter viel Glück und Einsicht auf Deinen Reisen. Es heilt.

  • #2

    Tine (Donnerstag, 08 Oktober 2020 21:19)

    Lieber Hermit!
    Da du der ERSTE Mensch bist, der mir einen Kommentar schreibt auf meinem Blog, freue ich mich besonders!!!
    Herzlichen Dank fürs Lesen meiner Texte und dein liebes Feedback.
    Wenn du magst, schreib mir gerne per Email mehr. Es würde mich sehr freuen,
    von der Heilungsreise deines Herzens zu hören.
    T.