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Wie ein Gefühl des Selbst-Zweifels zu Mangel führt

Ich denke mal laut. Heute gab ich einer Frau, die, vor Schmerzen in den Beinen, kaum noch laufen konnte, eine Massage. Nach einer Stunde waren die Schmerzen verschwunden und sie überglücklich.

So viele Ärzte hatte ihr Medikamente und Stromtherapie und Akupunktur verordnet, doch ihre Schmerzen waren geblieben. Sie hatte sichtbar Angst vor möglichen Folgen und wandte sich daher an mich.

Ich erzählte ihr von blockierten Energiebahnen im Körper (Meridianen) und ihren Zusammenhängen mit den Organen und machte eine Entspannungsreise mit ihr, in der sie sich vorstellte, sie läge in einem klaren Gebirgsbach, der durch sie strömt und alle Anspannungen löst und Schlacken abtransportiert. Das wirkte gut, sie entspannte sich und ihre Beine, die fest wie Steine waren, wurden nach und nach bei der Massage immer weicher und durchlässiger. Die Energie konnte wieder fließen. 

So einfach! Eine liebevolle Massage und schon war das Drama aufgelöst.

Wir sprachen über Selbstfürsorge und die Entscheidung für ein bedingungsfreies JA zu sich selbst. 

Ich gab ihr noch ein paar Tips mit auf den Weg, wie sie sich selbst massieren und Akupressur anwenden konnte, empfahl ihr intermediäres Fasten, basische Fußbäder, Apfelessigwasser trinken und viel Achtsamkeit für die Zeichen ihres Körpers. Dankbar und strahlend zog sie sich an und überreichte mir 5 €.

Ich nahm das Geld dankend in Empfang und wir verabschiedeten uns herzlich.

 

Später am Tag machte ich einen Spaziergang, um über mein Gegrummel wegen der 5€ nachzudenken.

Mein Muskeltest meinte: "alles gut, das stimmt so mit den 5€", aber mein Kopf konnte das schwer annehmen. Ich dachte, "anscheinend muss ich Menschen, die sich selbst nur wenig wertschätzen, einen festen Preis sagen, damit ich mir meine Unzufriedenheit sparen kann". Aber hätte ich ihr gesagt, welchen Preis ich mir wünsche, hätte sie sich vermutlich nie auf meine Matte gelegt. Ne ehrlich, ich hatte vor der Behandlung überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich eine Gegenleistung, für meine Hilfe, haben will. Ich war einfach bereit ihr spontan diese Massage zu schenken, weil ich ihre Not sah und helfen wollte.

Erst hinterher kam ich darauf, dass meine Arbeit doch sehr viel mehr wert war als 5 € und geriet in Selbstkritik darüber, dass ich es noch immer nicht schaffe, Geld in Fülle anzuziehen.  

 

Ich dachte darüber nach, dass ich Therapeuten, die mir offen ließen, wie viel Geld ich ihnen bezahlen wollte, auch immer weniger gab, als sie sich wohl gewünscht hätten. Ich hatte noch nicht mal

ein schlechtes Gewissen dabei, gerade ein schönes Schnäppchen gemacht zu haben.

Der Glaubenssatz dahinter lautete: "Ich bin arm und muss sparen wo es geht. Das musst du bitte verstehen." Sozial veranlagte Helferlein verstanden das auch und begnügten sich mit meiner Spende.

War hingegen ein Preis für eine Session festgelegt und ich mochte unbedingt diese Session haben,

dann hatte ich plötzlich das Geld dafür übrig. 

Andererseits hat mein Glaubenssatz dazu geführt, das ich sehr oft interessante Workshops und Weiterbildungsangebote oder Sessions mir verkniffen habe und mir einredete, dass ich diese Geldmacherei nicht unterstützen möchte und auch ohne die verlockenden Angebote auskomme.

 

Es hätte also wenig Sinn einem Menschen zu sagen, "gib mir einfach so viel, wie es sich für dich stimmig anfühlt und wie du es gut mit deinem Gewissen vereinbaren kannst", wenn dieser Mensch sich in seinem Leben im Mangelgefühl befindet. Er wird, genau wie ich, vermutlich sagen: "Ich bin zwar super dankbar für deine Hilfe, aber ich verfüge über kein Geld das ich dir geben kann. Ich vertraue darauf, dass alles mit allem verbunden ist und von anderer Seite Geld und Geschenke zu dir fließen." Damit hat er ein gutes Gewissen und zieht seiner Wege. 

 

Unter der alten Weide auf dem Feld lausche ich in die Nacht und höre: "Wenn du für deine Gabe, dein Geschenk eine Gegenleistung erhoffst, ist der Wurm drin. Dann schenkst du statt aus bedingungsfreier Liebe und Fülle, aus Kalkül. Damit wirst du enttäuscht werden." Ich muss an Jesus denken und seine Hilfsaktionen für die Kranken. Er hat auch einfach geholfen, weil er helfen wollte, erinnern, erwecken wollte, nicht um adäquat bezahlt und beschenkt zu werden. Wieso war er frei von allem Anspruch auf Gegenleistung? Weil er, wie ich bei der Frau heute, gar nicht auf die Idee kam, dass er in Mangel geraten könnte, wenn er gibt und hilft. Er sah in allem das selbe eine Bewusstsein, sich, Gott.

 

Ja das ist der Punkt, wenn ich mich getrennt von irgendetwas fühle,

dann gerate ich ins Mangeldenken. Ich glaube dann, ich müsse Forderungen stellen und sparen,

weil einfach nicht genug auf freiwilliger Basis zu mir fließt. Dieser Irrglaube beginnt schon im Kindesalter, wenn man bemerkt, dass die Eltern einem nicht die Liebe, Aufmerksamkeit, den Schutz und Unterstützung entgegenbringen, wie man es natürlicher weise für normal hält.

"Hää, was ist los?", fragt sich das Kind. "Ich bin doch ein unfassbar wertvolles, einmaliges, göttliches Wesen. Warum werde ich nicht in Fülle mit allem beschenkt was mir zusteht? Habe ich etwas falsch gemacht? Ist gar etwas falsch mit mir? Bin ich vielleicht doch gar nicht so super buper wie ich es in mir fühle?" Und schon bezieht das Kind den Mangel, an dem seine Eltern leiden, auf sich und stellt allmählich sein Licht ab. Es passt sich dem Mangel um ihn herum an, um irgendwie gesehen, gefühlt, angenommen zu werden. Wer sehr hoch in der Liebe schwingt kann entweder die Menschen zu fassungsloser Bewunderung, Hingabe und Liebe verleiten, wie das Neugeborene können, oder er wird von niedriger schwingenden Menschen gar nicht wahrgenommen oder gefürchtet (siehe Jesus).

Da wir "Erwachsenen" ja alle in den alten Systemstrukturen aufgewachsen sind, ist wohl jedem von uns 

der Selbst-Zweifel antrainiert worden. "Nein, ich bin kein göttliches Wesen, sonst würde man mich anders behandeln. Ich habe keine Rechte, ich muss betteln und mich aufopfern und um alles kämpfen.

Ähh?! Doch, ich bin das Leben, die Schöpfung, das All-eine. Ich erinnere mich, ich spüre es in mir.

Da ist so viel Licht und Schönheit und Liebe und Kreativität und Freude, die sich zum Ausdruck bringen mag. Einfach so, weil ich bin. Ich schenke mich hin und empfange alles."

Welche Stimme gewinnt?

Die Stimme die aufgrund ihrer negativen Erfahrungen ihre Konsequenzen gezogen hat und,

um überleben zu können, gelernt hat, zu fordern und zu rauben?

Oder die Stimme, die trotz ihrer Erfahrungen sagt, ich bin Liebe. Ich bin das ICH BIN.

Unzerstörbar, untrennbar, unendlich, unbewertbar, unbeschreiblich.

Alles ist in mir und ich bin in allem. Nichts das hinzugefügt oder genommen werden könnte.

Ich nehme an was ist.

 

Stell dir mal vor, du genießt dein Dasein in einer Menschheit, wo alle Menschen die Stimme der Einheit in sich hören und danach leben! Stell dir mal dieses unendliche Potential vor, das sich voller Freude verschenken und teilen will! Da käme niemand mehr auf die Idee, um eine Bezahlung zu bitten

oder diese einzufordern. Es wäre den Menschen absurd, denn sie sind ja die untrennbare Einheit, die grenzenlose Fülle. Sie wollen sich einfach miteinander beglücken mit ihren individuellen Ausdrucksformen.

Aber ohne etwas erreichen zu wollen. Denn sie sind ja alles und schon immer da. 

Welch ein bedingungsfreies sich Schenken und Genießen der göttlichen Manigfaltigkeit.

 

 

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